International
Gesellschaft & Politik

Genf: 5 Fragen zu den heutigen Verhandlungen über Ukraine und Iran

un headquarters geneva
Der UNO-Sitz in der Westschweiz: Genf wird an diesem Dienstag abermals zum diplomatischen Hotspot.Bild: imago

Dieser Russe verheisst nichts Gutes – 5 Fragen zu den heutigen Verhandlungen in Genf

Zwei Konflikte, ein Ort, viele offene Fragen: In der Westschweiz verhandeln am Dienstag die USA über einen möglichen Weg aus dem Ukraine-Krieg und über Irans Atomprogramm. 5 Fragen und Antworten.
17.02.2026, 05:5517.02.2026, 07:16
Fabian Hock

Wer spricht mit wem?

Morgens Iran, am Nachmittag die Ukraine: Genf wird an diesem Dienstag Schauplatz von gleich zwei wichtigen Verhandlungen. Bei beiden Gesprächen mittendrin stehen Präsident Donald Trumps diplomatische Allzweckwaffen: Schwiegersohn Jared Kushner und der Sondergesandte Steve Witkoff.

Erstmals fanden im vergangenen November Ukraine-Gespräche in Genf statt. Damals machte ein US-Papier die Runde, das praktisch alle russischen Forderungen übernommen hatte. Die Empörung war gross – im Verbund schafften es Ukrainer und Europäer, diesen «Friedensplan» zu entschärfen. In der Folge verhandelten Russen, Ukrainer und Amerikaner in zwei Runden in Doha, der Hauptstadt Katars. An diesem Dienstag und Mittwoch sprechen die drei Parteien in der Westschweiz über mögliche Wege zu einem Ende des Kriegs.

Die Iran-Verhandlungen ziehen vom Oman in die Schweiz. Die diplomatische Vertretung des Sultanats in Genf gilt als möglicher Verhandlungsort. Im Zentrum steht die Frage nach einem neuen Atomdeal. Irans Aussenminister Abbas Araghchi ist laut Medienberichten bereits im Lande. Er wird den Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO), Rafael Grossi, treffen, bevor es in Gespräche mit der US-Delegation geht.

Wie sind die Aussichten bei der Ukraine?

Die Ukrainer wollen vor allem eines: Sicherheitsgarantien. Der Schlüssel zur Beendigung des Kriegs liege in der Sicherheitsfrage, sagte Präsident Wolodimir Selenski am Wochenende. «Das hat höchste Priorität.» Für Russland dagegen ist die Territorialfrage die entscheidende – sprich: welche Teile ihres Staatsgebiets ist die Ukraine bereit, an Russland abzugeben. Der Kreml fordert von Kiew die Aufgabe des gesamten Gebietes Donezk. Darin eingeschlossen wären Landstriche, die Moskaus Truppen bis heute gar nicht kontrollieren. Die Ukraine lehnt das strikt ab.

Dass Selenski nun die Sicherheitsgarantien zum zentralen Punkt erklärt, lässt einige Beobachter bereits von einem Prioritätenwechsel sprechen. Wieviel Raum hier tatsächlich besteht, dürfte am Dienstag ausgelotet werden. Bei den Sicherheitsgarantien selbst hofft die Ukraine vor allem auf die USA. Präsident Donald Trump hatte solche in Aussicht gestellt – allerdings nur für einen Zeitraum von 15 Jahren, wie Selenski am Wochenende in München sagte. Für Kiew müsste der Zeitraum 20 Jahre oder besser noch mehr betragen.

Wen schickt Putin nach Genf?

In der russischen Delegation sorgt vor allem eine Personalie für Aufsehen: Die Verhandlungsgruppe wird von Putins Berater, dem ehemaligen Kulturminister Wladimir Medinski, geleitet. Mit ihm setzt der Kreml auf einen der Ideologen von Putins «Russischer Welt» – das lässt darauf schliessen, dass es bei den Verhandlungen in Genf darum gehen wird, wie die Landkarte der Ukraine nach Kriegsende aussehen soll.

epa12256759 Russian Presidential Aide and head of the delegation Vladimir Medinsky addresses the media during a press conference following a new round of peace talks between Russia and Ukraine, in Ist ...
Er leitet die russische Delegation in Genf: Ex-Kulturminister Wladimir Medinski.Bild: keystone

Medinski leitete die russische Delegation bei den Verhandlungen 2022 und 2025. Im Jahr 2025 erklärte er, dass Russland «bereit ist, ewig zu kämpfen». Zuvor hatte er für Putin einen Artikel mit dem Titel «Über die historische Einheit der Russen und Ukrainer» verfasst, in dem die Ukraine als «Anti-Russland» bezeichnet wird. In seinem Weltbild sind die Ukrainer kein eigenständiges Volk.

Russland-Experte Fjodor Krascheninnikow sagt dazu zu CH Media:

«Medinski ist ein Propagandist. Dass gerade er zu den Verhandlungen geschickt wird, bedeutet, dass es keine Diskussionen geben wird.»

Medinski werde schlicht Putins Forderungen wiedergeben. Zum rusisschen Verhandlungsteam gehören ausserdem der stellvertretende Aussenminister Michail Galuzin und der Admiral und Direktor des Militärgeheimdienstes Igor Kostjukow. Ferner dabei: Putins Sonderbeauftragter für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen, Kirill Dmitrijew.

epa12672719 US Presidential Envoy Steve Witkoff (L), Kremlin aide Yuri Ushakov (2nd-L), Russian top economic negotiator Kirill Dmitriev (2nd-R) and Trump's son-in-law Jared Kushner (R) speak befo ...
Von links: US-Sondergesandter Steve Witkoff, Kreml-Berater Juri Uschakow, Putin-Berater Kirill Dmitrijew und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner vor einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin in Moskau im Januar.Bild: keystone

Für die Ukraine verhandeln unter anderem Delegationsleiter und Ex-Verteidigungsminister Rustem Umerow, der Leiter des Präsidialamts Kyrylo Budanow und David Arachamija, der schon bei früheren Verhandlungsrunden anwesend war.

Worum geht’s beim Iran?

Die Amerikaner wollen mittels Verhandlungen den Bau einer iranischen Atombombe unmöglich machen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drängt Trump zu einer harten Linie: Verbot der Uran-Anreicherung im Iran, Reichweiten-Begrenzung für iranische Raketen auf 300 Kilometer und ein Ende der iranischen Unterstützung für Terrorgruppen wie die Hisbollah im Libanon. Der US-Präsident hat Teheran zuletzt jedoch Zugeständnisse in Aussicht gestellt – etwa darüber, was der Iran mit seinen 400 Kilogramm hochangereichertem Uran anstellen darf.

Und wenn die Gespräche scheitern?

Teheran pocht auf Lockerung der internationalen Sanktionen, bevor es seinerseits Kompromisse eingehe. Das Raketenprogramm als einer der letzten Trumpfkarten der Mullahs stehe ebenfalls nicht zur Debatte. Sollte es keine Annäherung geben, steht für die Amerikaner als letzte Option nach wie vor ein Militärschlag im Raum. Trump hat die ohnehin bereits gewaltige Drohkulisse zuletzt um einen zweiten Flugzeugträgerverband erweitert und seine Warnungen verschärft: Sollte es in den kommenden Wochen keine Einigung geben, erwarteten den Iran «traumatische Konsequenzen». (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
111 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
International anerkannter Experte für ALLES
17.02.2026 06:21registriert Juli 2021
Er war schon mal Thema eines Artikels, wie die Russen „verhandeln“: Sie stellen Maximalforderungen und sind zu keinen Zugeständnissen bereit. Insofern sind diese ganzen diplomatischen Bemühungen nur eine Show um der dementen Orange in Washington Verhandlungsbereitschaft zu simulieren, damit er sich als Friedensförderer feiern lassen kann.
Die Russen könnten den Krieg jederzeit beenden. Jederzeit. JEDERZEIT!
1454
Melden
Zum Kommentar
avatar
N. Y. P.
17.02.2026 06:27registriert August 2018
Der Kreml fordert von Kiew die Aufgabe des gesamten Gebietes Donezk. Darin eingeschlossen wären Landstriche, die Moskaus Truppen bis heute gar nicht kontrollieren. Die Ukraine lehnt das strikt ab.

Es ist sonnenklar. Es wird KEINE Einigung geben. Putin will am grünen Tisch die Verteidigungsanlagen im Donbass einnehmen, die er während der letzten drei Jahre nicht einnehmen konnte. Ukraine sagt Nein.

Für die Füchse, dieses Treffen.
1173
Melden
Zum Kommentar
avatar
LuLuke
17.02.2026 06:40registriert Februar 2021
Sind es wirklich "die Russen"? Sind es nicht eher die Regime in Russland UND in den USA?
Für das die Ukreine zu erleiden haben tragen je länger je mehr die USA eine sehr grosse Mitverantwortung, da sich Trump für Geld und Macht mit Putin in's Bett legt.
454
Melden
Zum Kommentar
111
Shia LaBeouf in New Orleans festgenommen
US-Schauspieler Shia LaBeouf ist in New Orleans festgenommen worden. Dem 39-Jährigen werde vorgeworfen, zwei Personen angegriffen zu haben, teilte die örtliche Polizei mit. Er solle nun wegen Körperverletzung belangt werden. Medienberichten zufolge soll sich der Vorfall am Rande eines Karnevalsfests ereignet haben. Eine dpa-Anfrage an das Management des Schauspielers blieb zunächst unbeantwortet.
Zur Story